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francoise hardy - le danger 1996

13 Chansons, ein Versuch von Francoise, ihre Probleme mit Musik und Liedtexten zu bewältigen. Das Album enstand während einer für sie persönlich schwierigen Lebensphase. Freunde wie Etienne Daho (Sänger, Schauspieler und Autor der Hardy-Biografie "Eremite et Superstar") rieten ihr als Therapie, ihren Schmerz in Liedern auszudrücken. - Das Ergebnis: Starke Lyrik verbindet sich mit einer Synthese aus Chanson und Rock-Musik. Die CD erhielt sehr gute Kritiken - auch in Deutschland. ... Zugegebenermaßen bevorzuge ich bei Francoise die einfacheren Arrangements mit akustischen Instrumenten wie Gitarre und Piano, die ihre Stimme sanfter begleiten.


13 songs, Francoise is trying to solve her problems with music and lyrics. Sje produced the album during a personally complicated period of life. Good friends like Etienne Daho (singer, actor and the writer of the Hardy biography "Eremite et Superstar") suggested her to express her sufferance in songs - as a therapy. - The result: Strong lyrics combined with a synthesis of chanson and rock music. The cd got good reviews - also in Germany ... I admit concerning Francoise' music that I prefer simpler arrangements with accustic instruments like guitars and piano to accompany her soft voice.

Rodophe Burger on the guitar
Alain Lubrano
Etienne Daho
Rodolphe Burger
Alain Lubrano
Etienne Daho

Mit Ausnahme von zwei Liedern ("Un peu d'eau" und "Regarde-toi"), deren Melodien Jean-Noel Chaléat beisteuerte und die einen Hoffnungsschimmer aufzeigen, ist die ganze Platte eher düster. Man begegnet den Farben Rot, die für die enttäuschte Leidenschaft steht, und Schwarz als Symbol der Asche, die diese Leidenschaft hinterlassen hat.

Francoise and Alain Lubrano

Francoise wendet sich an Rodolphe Burger, ihrem Lieblingskomponisten, Bandleader der Gruppe Kat Onoma. Sie verpasst keines seiner Konzerte in Paris und bewundert vor allem seine Kunst, Melodien "in Schleifen" zu komponieren.

Es sind diese "musikalische Schleifen", die, gestützt durch den schneidenden Klang der Gitarren, zur Entstehung des herrlichen Chansons "Dix heures en été" (10 Stunden im Sommer) führen. In diesem Lied wird man Zeuge des Scheiterns einer verliebten Leidenschaft, was umso schmerzlicher ist, da Verrat die Ursache war. - Dieses Lied knüpft wiederum an die für Francoise so bedeutsamen Themen an, die auch in anderen Chansons immer wieder vorkommen, wie in "Je suis de trop ici" (Ich bin hier eine zuviel) sowie in "J'aurais voulu" (Ichhätte gerne gewollt): das Thema, in dem der andere entweder nicht oder nicht mehr die Liebe beantwortet und die Liebende in einem Zustand nahe der Bedeutungslosigkeit lässt.

Burger liefert ihr zwei weitere schöne Melodien - für "Contre-jour" und "La Beauté du Diable". "Contre-Jour" (Gegenlicht) handelt von Menschen, die sich gerne an langweiligen Orten aufhalten und die Farbtöne grau und pastellblau am liebsten haben - mit anderen Worten, die es vorziehen, darunter zu leiden, dass sie es nicht gewagt haben, sich der Leidenschaft der Liebe hinzugeben und infolgedessen mit lauem Gefühl und ewigem Bedauern oder eben mit dem Geschmack von Asche im Mund ("dans la bouche un goût de cendres") leben.

"La Beauté du Diable" hat einen temperamentvolleren Tonfall, der es Francoise erlaubt, die Anziehungskraft der Liebe wachzurufen, die so unwiderstehlich ist, dass sie sogar den Zerstörer mit einbezieht: "Sa beauté du diable entraîne qui la voit de trop près vers la folie, à jamais vous démolit par son absence". (Seine teuflische Schönheit reisst jeden, der ihr zu nahe kommt, mit in den Wahnsinn, um Sie niemals mit seiner Abwesenheit zu ruinieren.)

Das Lied "Le Danger" (der Cover-Song des Albums) wurde von Alain Lubrano komponiert (er hatte schon einige Jahre zuvor zusammen mit Francoise "Si ca fait mal" geschrieben) und spricht - mit viel Mitgefühl und Intelligenz - den Krebs an, einer Krankheit, an der sie Mutter des Komponisten gestorben ist. Francoise abstrahiert das Thema, indem sie unterschiedliche Gefahren in ihre Betrachtung mit einbezieht, egal ob es sich um eine körperliche Krankheit oder mehr psychische Ursachen handelt, und mundert dazu auf, dies einfach hinzunehmen.

Eine andere Melodie von Alain Lubrano inspirierte Francoise zu der Lyrik zu "A sa merci". Dies beschreibt eine andere Form des Sich-in-Gefahr-begebens oder des schicksalsergebenen Opfers, denn wenn man wirklich jemanden zu sehr liebt, wie es hier in dem Chanson heisst, bedeutet das, sich dem anderen anpassen, indem man bedingungslos liebt - ein Zustand der Überheblichkeit (!), der möglicherweise dazu führt, dass man zum Sklaven des anderen wird. "Risquer le tout pour le rien" - alles riskieren für nichts - gibt dem anderen die Macht, nicht so zu reagieren wie von dem Liebenden erwartet wird, was zu Leid, zur Vernichtung führt, dazu, dass man zu Staub wird ("tomber en poussière").

Sechs weitere Melodien dieses Albums stammen ebenfalls von Alain Lubrano. Hierbei ist "Mode d'Emploi" ein Chanson, in dem Francoise zugibt, dass sie einige Schlüssel für sich behält, die Zugang zum anderen gewähren würden (Ihr Interesse an der Psychologie, insbesondere der Schule von Palo Alto, und ihre Leidenschaft für die konditionelle Astrologie, die sie professionell praktiziert sind bestimmt nicht unbekannt), aber sie weigert sich, sie einzusetzen: Sie hasst jede Form der Manipulation.

Auch in "Les Madeleines" geht es um die Frage von Manipulation, die Francoise in eher scherzhaften Wortlaut anspricht: Wenn du tatsächlich vom anderen erwartest, dass er dir ein schmeichelhaftes Bild von dir zurück gibt, wirst du für den anderen eine leichte Beute.

Wie die Ruhe auf den Sturm folgt, so kommt es vor, dass als einziges Gegenmittels zur Loslösung das Herbeiführen des Endes sein kann, um der Zerstörung des Ichs entgegenzuwirken. In dem Lied "Regarde-toi" antwortet Francoise auf die Gleichgültigkeit und die Missbilligung durch den anderen mit der Lebensweisheit "Je t'aimerai pour deux" (Dann liebe ich dich eben für zwei). Sie erreicht hier die obere Oktave der Liebe, dieser altruistisch beflügelten Liebe, die keinerlei Gegenleistung fordert ..., aber auch nicht unter dem eigenen Verlust, dem eigenen Opfer leidet: Wenn man nichts mehr erwartet, ist man frei zu lieben und ohne durch die eigenen Erwartungen befangen ...

Francoise fürchtete nach diesem Album (wiedermal - Anmerkung: d. Übers.), nie wieder etwas so Starkes schreiben zu können: Sie, für die die Leidenschaft der Liebe immer die Triebfeder ihrer Texte war, fragte sich, ob sie eines Tages je wieder schreiben könne ...